
St. Petersburg: Von einer Waldschneise zur FlaniermeileWas als Schneise durch Wald und Sumpf begann, sollte sich zur luxuriösten Flaniermeile Europas entwickeln: der Newski-Prospekt. 
|  Impressionen vom Newski-Prospekt.
Fotos (3): Mike Dojel
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Geplant als Verbindung zur Handelsstraße nach Nowgorod, das St. Petersburg mit Waren versorgte, wurde der „Newski“ zur Hauptstraße der neuen Metropole. Bedingt durch die Nähe zum Winter- und Sommerpalast des Zaren, wurde das Viertel bald zur ersten Adresse. An der Straße bauten die Adeligen ihre Paläste und Stadtvillen. Die verschiedenen Konfessionen erhielten großzügig Land und bauten ihre Kirchen. Kaufleute aus ganz Europa siedelten sich am Newski an, eröffneten ihre Geschäfte und Kaufhäuser.
Bis zum ersten Weltkrieg war der Boulevard der Inbegriff des Luxus. Es gab eine ungeheure Zahl eleganter Geschäfte. Militär in Galauniform, Damen in Samt und Seide flanierten an den Auslagen vorbei. Es wurden nur ausländische Waren verkauft die um ein Vielfaches teurer - und somit für den Normalbürger unerschwinglich waren. Parallelen zu heute sind nicht von der Hand zu weisen.

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Die 4,5 km lange Prachtstraße ist auch heute wieder Einkaufsstraße und Treffpunkt der Petersburger. Langsam kehrt der Luxus wieder an den Newski zurück. In den Häusern eröffnen Juweliergeschäfte, Boutiquen, Restaurants und Clubs. An den Hausfassaden hängen Reklametafeln, für westliche Produkte werbend. Zur Hauptverkehrszeit brodelt der Verkehr, Menschen warten auf Busse, verschwinden in den Schächten der weitverzweigten U-bahn. Blumenverkäuferinnen und Straßenmusikanten verdienen sich ein Zubrot zu der oft kargen Rente. Aber nur wenige Schritte abseits der klassizistischen Arkaden, beginnt das Petersburg der kleinen Leute. Hier blättert der Lack, bröckelt der Putz, der Regen sammelt sich in Pfützen auf den holprigen Gehsteigen. Mit der Machtübernahme der Kommunisten, wurden den Besitzer und Mieter der herrschaftlichen Häuser mit ihren Jugendstilfassaden vertrieben. Ursprünglich erbaut für ein aufstrebendes Bürgertum von Kaufleuten und Beamten, zog jetzt das siegreiche Proletariat in die Etagen. 
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Es entstanden die Komunalkas. Ganze Familien müssen mit einem Zimmer, oft nur wenige Quadratmeter groß, auskommen. Hier wird gegessen, geschlafen, gelebt – alles auf engstem Raum. Küche und Bad müssen sich die Familien, oft über 20 Personen, teilen. Ständiger Streit um Bad- und Küchenbenutzung ist vorprogrammiert. Der Blick aus dem Fenster geht in triste Hinterhöfe und dunkle Gassen. Aber man ist froh, überhaupt eine Bleibe zu haben, denn Wohnraum ist in der Stadt knapp. Und überall fehlt es an Geld für die notwendigsten Reparaturen.
So trifft man überall in der Stadt auf leere Fensterhöhlen, undichte Dächer. Alles was irgendwie verwertbar war, wurde abtransportiert. Auf der einen Seite die Glitzerwelt auf dem Newski, auf der anderen das Elend der kleinen Leute. Wie schon in der Zarenzeit, liegen Prunk und Armut dicht beieinander. Quelle: pairola-media (md)
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