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09.02.2012
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Auvergne - wo man sich immer wohler fühlt

Schon auf der Fahrt mit dem Zug von Paris Richtung Aurillac taucht der Besucher in eine eigene Welt ein. Je länger man die Felslandschaften durchreist, desto wohler fühlt man sich. Wenn man aus dem Fenster schaut, schlängeln sich wilde Bäche neben einem her und man bekommt das Gefühl, den Duft von unberührter Natur und der Weite des Landes schon jetzt riechen zu können. Angekommen im größten Vulkangebiet Europas hat man den Eindruck, als wäre die Zeit hier stehen geblieben.

Wanderung auf dem Puy Mary.

Wanderung auf dem Puy Mary.
Foto: Annina Reimann

Doch bekannt ist die Auvergne im Herzen Frankreichs nicht sonderlich, was wohl auch daran liegen mag, dass es hier keine Strände gibt. Dafür wird der Besucher aber durch die unberührte Bergwelt, zahlreiche Gaumenfreuden und die Reinheit der Luft entlohnt.

Die Auvergne besteht aus den vier Departements Allier, Puy-de-Dôme, Cantal und Haute-Loire. Puy heißt soviel wie Berg. Und davon gibt es hier ja schließlich auch genügend. Genauer gesagt Vulkane. Aber die schlafen ja zum Glück alle. Und Vulkanseen. Davon gibt es auch eine Menge und die heißen dann lac. Das sind die Vulkane, die damals in sich zusammen gefallen sind und in deren Mitte sich jetzt Wasser angesammelt hat. Auf einige der Puys - zum Beispiel dem Puy Mary - kann man wunderbare Wanderungen unternehmen und wird im Sommer am Wegesrand wunderbar blühende Vegetation vorfinden. Der vielleicht manchmal etwas beschwerliche Aufstieg wird dann auch gleich mit einem Ausblick erster Klasse belohnt. Der Blick schweift über die anderen Vulkane mit ihren eingefallenen, grün, bewachsenen Trichtern, welche auch aus der „Volvic“ Werbung bekannt sind. Wieder abgestiegen, besucht man eines der kleinen Bergdörfer, um die Spezialitäten der Region auszutesten. Von den Dörfern gibt es hier nämlich einige: zwei Drittel der Bevölkerung lebt in Orten mit weniger als 500 Einwohnern. Manche Familien benötigen hier nicht mal mehr eine Hausnummer.

Eine ziemlich bekannte Delikatesse ist die „Truffade“. Das sind Kartoffeln, vermengt mit einem Käse der Region und etwas Knoblauch. Der Käse zieht beim Essen herrlich lange Fäden. Aber auch die grünen Miniatur-Linsen aus Le Puy oder diverse Wurstzubereitungen dürfen nicht auf der Speisekarte fehlen. Wenn die leuchtenden Farben des Spätherbstes die Natur der Auvergne entflammen, halten Reh, Wildschwein und Federwild ihren Einzug in die Küchen. Zum Wild werden Waldpilze gereicht. Die besten Zutaten werden immer noch auf dem Markt erstanden.
In Frankreich soll es für jeden Tag eine Käsesorte geben, doch von den 34 mit dem begehrten Qualitätssiegel „Appelation d’origine contrôlée“ (AOC) ausgezeichneten, kommen allein fünf aus der Auvergne. Auf keinen Fall fehlen dürfen auf einer guten Käseplatte der Saint-Nectaire, Bleu d’Auvergne, Fourme d’Ambert, Cantal und der Salers. Käse gibt es hier immer nur im Plural. Zudem hat die Auvergne eine Menge erstklassiger Weine zu bieten.
Berühmt sind auch die roten Salers-Kühe, deren Hörner eine Lyra formen. Man sagt, dass es hier in Salers mehr Kühe als Menschen gibt. Die Stadt mit ihren denkmalgeschützten Häusern ist in die Liste der schönsten Städte Frankreichs aufgenommen worden.

Der zugewachsene Puy de Côme.

Der zugewachsene Puy de Côme.
Foto: P. Soissons / CRT Auvergne.

Überhaupt bekommt man hier beim Durchkreuzen der Landschaft schnell das Gefühl, eine Reise in die Vergangenheit gemacht zu haben. Wandert man auf den zahlreichen Wegen in der Bergwelt umher, so kann man mit ein bisschen Glück eine der 500 historischen Kirchen entdecken. Da der Pilgerweg nach „Santiago de Compostela“ zum Grab des heiligen Jakobus durch die Auvergne führte, entstanden im Mittelalter viele verschiedene Kapellen und Kirchen von seltener Perfektion. Einen Besuch wert sind die Felsenkirche in Le Puy oder die Notre-Dame-du-Port in Clermont-Ferrand, der größten Stadt der Auvergne. Die Auvergne hat auf ihren zahlreichen Hügeln über 50 Schlösser und Burgen zu bieten.

Auch wissenswert: Das Zentralmassiv der Auvergne gilt als Wasserreservoir Frankreichs. Das Vulkangestein wirkt wie ein riesengroßer Filter. Von diesem Vorzug profitieren nicht nur „Volvic“, „Vichy“ oder „St-Yorre“. Mit elf Thermen stellt die Region ein Drittel aller französischen Kurbäder – und gehört somit zu den bedeutendsten Thermalzentren Europas. Das haben vor 2000 Jahren auch die Römer erkannt und badeten im heilenden Nass der Vulkane.
In der Auvergne gibt es zwei große Naturparks: den Park der Vulkane und den Park Livradois-Forez. Ersterer umfasst fünf verschiedene, grandiose Naturregionen: die Bergkette der Puys, das Bergmassiv Monts Dore, den Cézalier, die Artense und das Massiv des Cantal. Der zweite unterstützt insbesondere die Erhaltung und Förderung des lokalen Natur- und Kulturerbes.
Wie sich auch in Deutschland die Sprache von Region zu Region unterscheidet, haben die Menschen in der Auvergne ihren eigenen Dialekt. Gerne hängen sie ein ’e’ an Worte wie oú. Aus pain (Brot) wird gesprochen päng, aus bien (gut) biäng oder aus matin (Morgen) matäng. Viele Bewohner der Berge gehen traditionell, landwirtschaftlichen Tätigkeiten nach. Der Rest arbeitet in den umliegenden Städten. Doch wer jetzt denkt hier könnte man jeden Tag nur wandern gehen, der hat weit gefehlt. Neben Reiten, Klettern, Surfen und Drachenfliegen wird der Wintersport ganz groß geschrieben. Denn wenn die Auvergne eins hat, dann einen richtig warmen Sommer genauso wie einen richtig kalten Winter.

 

Quelle: pairola-media (Annina Reiman)

 
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